Playlist

Über diese Playlist

Drei bis vier Minuten dauert ein typischer Popsong und meist klingt er so: Intro, Strophe, Refrain, Strophe, Refrain, Bridge, Refrain, Ende. Echte Kreativität lässt sich aber nicht gern in ein solches Korsett schnüren. Mit unsere Playlist „Epische Songs“ zelebrieren wir deshalb die Ausschweifung, die Dekadenz, das Überkandidelte. Streicher, Pauken und Trompeten? Genau! Nicht enden wollende Instrumentalpassagen? Her damit! Stücke, die an der 30-Minuten-Marke kratzen? Okay, hier haben wir bei einer guten Viertelstunde die Notbremse gezogen. Dennoch: Eine ausuferndere Playlist gab es an dieser Stelle vermutlich noch nie. Also: Zeit nehmen, Luftgitarre (fürs Solo) und Taschentuch (für die Rührung) auspacken – und Vorhang auf für die große Show!

Die erste Hochzeit pop- und rockmusikalischer Schwelgerei begann Mitte der 60er-Jahre, als bewusstseinserweiternde Drogen und technische Neuheiten wie Effektgeräte und Synthesizer die Geburt des Psychedelic-Rock befeuerten. Die Psychedeliker liebten unorthodoxe Songstrukturen, ausgiebige Jams und üppige, gerne exotische Instrumentierungen. Und damals schafften sie es damit sogar in die Charts. Pink Floyd etwa platzierten ihre Konzept- und Doppelalben mit mehr als viertelstündigen Suiten à la „Atom Heart Mother“ oder „Shine On You Crazy Diamond“ regelmäßig in den Top Ten.

Der Progressive-Rock trieb die Komplexität und das Ausschweifende des Psychedelic-Rock in den 70ern zu neuen Extremen. Yes, King Crimson, Genesis oder Jethro Tull schrieben episodische Rock-Symphonien mit orchestralen Arrangements, die sich über eine oder gar zwei LP-Seiten erstreckten und von oftmals philosophisch-mystischen Narrationen begleitet wurden. Die Übergänge zu Folk oder Hard-Rock waren dabei fließend.

Wenngleich in den Spätsiebzigern der Punk dem Pomp und der Prätention des Prog den Kampf ansagte, hallt dessen Erbe bis heute nach. Es lebt beispielsweise im Symphonic-Metal von Gruppen à la Nightwish und Within Temptation weiter, die hartes Gitarrengeboller mit opernreifem Gesang und vollem Orchestereinsatz kombinieren. Aber auch im Indie-Folk und -Rock des neuen Jahrtausends schwelgen einige prominente Vertreter gerne in Opulenz. Die Alternative-Stadionrocker Muse wandeln schon seit Jahren auf den Spuren des Progressive-Rock, schreiben eklektische Konzeptalben und Mini-Symphonien und inszenieren auf der Bühne überwältigende Sound- und Bilderstürme. Und auch die Folkrocker The Decemberists unternahmen auf ihren Platten „The Crane Wife“ und vor allem dem Epos „The Hazards of Love“ Exkurse ins Prog-Rock-Genre.

Doch muss man kein Prog-Fan sein, um als Künstler aus dem Vollen zu schöpfen. Arcade Fire, Florence & The Machine, Patrick Wolf oder Woodkid entfalten schon in einer Handvoll Minuten genug Dramatik für ergriffene Gänsehaut und Tränen der Rührung. Und unsere Playlist hält noch mehr großes Kino parat – von The Doors und Iron Butterfly über Meat Loaf und John Miles bis hin zu Celine Dion und Björk. Und mittendrin erinnert uns Jeff Buckleys Version von „Hallelujah“ daran, dass es keine Chöre oder Symphonie-Orchester braucht. Manchmal genügen eine Gitarre und eine Stimme, um ein kleines Epos zu erschaffen.

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